Ab dem 1. Januar 2026 wird Deutschland eine der bedeutendsten Erhöhungen des Mindestlohns in seiner jüngeren Geschichte umsetzen, mit weitreichenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die Einkommen von Niedriglohnarbeitnehmern und die wirtschaftliche Dynamik des Landes. Die Entscheidung beruht auf einer Empfehlung der Mindestlohnkommission – eines unabhängigen Gremiums aus Vertretern der Arbeitnehmer und Arbeitgeber – sowie auf der anschließenden Zustimmung der deutschen Bundesregierung.
Derzeit beträgt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland 12,82 € brutto pro Stunde. Ab dem 1. Januar 2026 wird diese Schwelle auf 13,90 € brutto pro Stunde angehoben, was einer Erhöhung von 8,42 % gegenüber dem aktuellen Niveau entspricht. Damit ist die Erhöhung jedoch nicht abgeschlossen: Die Kommission hat bereits einen zweiten Schritt zum 1. Januar 2027 vorgesehen, bei dem der Mindestlohn weiter auf 14,60 € brutto pro Stunde steigen wird, sodass sich die Gesamterhöhung von 2025 bis 2027 auf nahezu 14 % beläuft.
Ziele und Vorteile für Millionen von Arbeitnehmern
Diese Anpassung wird sich direkt auf rund 6,6 Millionen Arbeitsverträge auswirken und damit einen erheblichen Anteil der deutschen Erwerbstätigen in Niedriglohnsektoren betreffen. Für Vollzeitbeschäftigte bedeutet die Erhöhung des Mindestlohns im Durchschnitt ein Plus von etwa 190 € beim monatlichen Bruttoeinkommen – ein spürbarer Vorteil für Haushalte und die allgemeine Kaufkraft.
Die offiziellen Beweggründe für die Erhöhung stehen im Zusammenhang mit dem Ziel, soziale Gerechtigkeit zu stärken, Beschäftigungsunsicherheit zu bekämpfen und das Einkommen der am stärksten gefährdeten Gruppen auf dem Arbeitsmarkt zu unterstützen. Der deutsche Arbeitsminister bezeichnete die Erhöhung als „einen bedeutenden Fortschritt“ bei der Anerkennung des Beitrags von Arbeitnehmern, die für das tägliche Funktionieren der Gesellschaft unverzichtbar sind.
Die Mindestlohnerhöhung bleibt jedoch nicht ohne Kritik. Laut einem aktuellen Bericht des Ifo-Instituts erwartet mehr als jedes fünfte befragte Unternehmen, als Reaktion auf höhere Arbeitskosten Arbeitsplätze abzubauen, während fast ein Drittel der befragten Firmen plant, in den kommenden Jahren Investitionen zu reduzieren.
Die politische und wirtschaftliche Debatte ist intensiv: Einerseits betonen Befürworter der Erhöhung die sozialen Vorteile und die Verringerung von Ungleichheiten; andererseits warnen Kritiker und Unternehmensvertreter vor Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung, insbesondere in Sektoren mit niedriger Produktivität. In jedem Fall bereitet sich Deutschland auf eine neue Phase seiner Lohnpolitik vor, im Einklang mit den Trends zu Mindestlohnanpassungen in vielen europäischen Ländern.